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Vorgeschichte

von der Bronzezeit bis zur deutschen Kolonisation

Hügelgräber (Jungsteinzeit - Bronzezeit)

Auf der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1776/77 sind auf der Krummesser Gemarkung noch insgesamt sieben Hügelgräber verzeichnet. Ein einzelnes befindet sich im Norden auf der Flur Köppenbarg (s.a. Köppenbarg). Dieses Hügelgrab ist auch schon auf der Karte von 1609 verzeichnet und vermutlich mit namensgebend für diese Flur. Auf der Karte von 1784 sind hier sogar noch zwei Hügel eingezeichnet (auch noch 1789/90). Von beiden Hügeln kann man heute bei Google Maps noch zumindest eine Bodenverfärbung wahrnehmen. Erstaunlich ist, dass sich dieser einzelne Hügel eine kultische Bedeutung bis in die Gegenwart bewahren konnte.

Die übrigen sechs Hügelgräber befanden sich auf der Flur Flugsand/Gelbe Sand, rechts an der Landstraße nach Beidendorf kurz vor dem Klempauer Hofsee. Diese Hügelgräber fanden nur in die Kurhannoversche Landesaufnahme von 1776/77 Eingang. Auf der Karte von 1784 ist nichts von diesen zu sehen. Da keiner der Hügel mehr erhalten ist und keine Funde vorliegen, ist eine genauere zeitliche Einordnung nicht möglich.

Urnengräberfeld (450 v. Chr. – Ende 1. Jahrhundert v. Chr., bzw. die Latènezeit)

Brandgräberfeld der vorrömischen Eisenzeit auf der Gemarkung Krummesse

1978 leitete Prof. Dr. H. Ziegert (Uni , HH) eine mehrwöchige archäologische Untersuchung des 1977 vorsondierten Urnenfriedhofs auf der Stratenkoppel (Flur 4, Par. 43/1). Im östlichen Bereich der Stratenkoppel wurden 1927 bei einer Flurbereinigung von A. Tode jungkaiserzeitliche Scherben gefunden und bei einer anschließend durchgeführten Grabung einige Urnengräber der jüngeren kaiserzeit geborgen(publiziert K. Kersten 1951, 298 f., Taf. 1.3-18). Im Fundkatalog wird bei Kersten auch noch ein eisenzeitlicher Urnenfund mit einer großen Anzahl an Beigaben erwähnt: "Unter anderem wurden Überreste eines Schultergürtels und eines Lendengürtels vom Holsteiner Typ geborgen, die durch eine Kugelfibel vom Mittellatèneschema datiert werden" (Kersten 1951, 299). Jedoch fanden sich keine Angaben über eine Lokalisierung des Urnenfundes.

1975 wurde dann ein Gräberfeld der vorrömischen Eisenzeit durch das Landesmuseum Schleswig ergraben. Eine erste Notiz dieser Grabung fand sich in den Lübecker Nachrichten vom 18.7.1975, in der von 19 zu diesem Zeitpunkt freigelegten Gräbern berichtet wurde, wobei sich eine Bronzefibel vom Spätlatèneschema, Typ Hornbek 3a2, unter den Beigaben befand. Weitere Angaben erfolgten 1976 von J. Hoika: "Beobachet wurden etwa 100 Urnen. Der Friedhof ist fast vollständig untersucht. Die Urnen standen überwiegend frei im Boden, einige im Steinschutz. Etwa ein drittel der Gefäße war durch den Pflug teilweise zerstört. Nur etwa 25 Prozent der Gräber enthielten Beigaben: überwiegend Bronzefibeln, Bronzenadeln sowie Holsteiner Gürtel aus Bronze und Eisen". Dieser 1975 ergrabene Friedhof liegt lediglich 300 m südöstlich des 1978 untersuchten Gräberfeldes, so dass die Vermutung einer zeitlichen, aber auch kulturellen Beziehung beider Plätze naheliegt. Inwieweit die einzelnen Urnenfunde der Kaiserzeit (Abb. 21, U1 und Abb. 25.2 u. 3) mit einem eigentlichen Bestattungsplatz in Verbindung stehen, musste offen bleiben.

Ergebnisse der anthropologischen Untersuchung der Leichenbrände

Die Belegung konnte aufgrund des keramischen Inventars in der älteren vorrömischen Eisenzeit (Jastorf-Stufe) gesehen werden. Eine Fibel vom Spätlatèneschema (Seedorf-Stufe) markiert den Endpunkt dieses Bestattungsplatzes. Bei 4 Urnen mit Deckelschalen ließen sich eindeutig Kinderbestattungen nachweisen. Insgesamt wurden hier 26 Personen bestattet.

Lübecker Schriften zur Archäologie und Kulturgeschichte: Vorgeschichte, Mittelalter, Neuzeit. Band 5.; Habelt, Bonn, 1981, S. 47 ff u. 61 ff)

 

Slavenzeitliche Funde (10./11. Jahrhundert)

IX Hansestadt Lübeck (Umland)

31. Krummesse; Nr. 8; Einzelfunde; Lesefunde; einzelne spätslawische Scherben (Willroth 1985, 26 Kat.-Nr. 29).

32. Krummesse; Nr. 10; Einzelfunde; Lesefunde; einzelne altslawische Scherben (Willroth 1985, 26-27 Kat.-Nr. 30 Abb. 2,7)

Slawenzeitliche Funde im Kreis Herzogtum Lauenburg, Arne Schmid-Hecklau, Wachtholz Verlag, 2002

Die gefundenen Scherben lassen keinen Zweifel daran, dass Krummesse im Mittelalter ein von Slawen besiedelter Ort war. Hierauf deutet auch evtl. der Ortsname selbst (Deutung Kromeša) sowie die Flur Wenzkirchhof. Zudem wurde die slawische Bevölkerung im 11. und 12. Jahrhundert mit der deutschen Kolonisierung ja nicht ausgerottet, sondern, wie viele Familiennamen zeigen, assimiliert.