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Krummesse

Namesdeutung

Urkundlich wird Krummesse erstmals 1194 (SHRU I, 188, Or.) als Crummesce genannt.

 

Der Ortsname Krummesse bezieht sich vermutlich auf den östlich von Krummesse gelegenen "Krummen See". Zu dieser Interpretation kam wohl auch schon 1677 der damalige Krummesser Pastor Johann Christoph Hacke, denn er schrieb in seinem ersten Taufeintrag am 29. Juli "Frantz Groth zu Krumbseh". Dieser See wird noch in einer Urkunde von 1324 genannt:

 

1324, März 4 [Februar 28-April 15] (in quadragesimo)
Der Ritter Johannes von Crummesse sowie Heinrich, Marquard, Johannes und Hartwig von Crummesse bekunden, dass ihnen der Herzog Erich von Sachsen-Lauenburg das Halsgericht in den Dörfern Krummesse und Niemark und die große Fischerei im Krummesser See für 150 Mark auf Wiederkauf verkauft hat.
Beglaubigte Abschrift von 1718 in Celle Br. 104b Nr. 272/1 fol. 106
Ausf.: LA Schleswig, Druck: Hasse, Schleswig-Holstein-Lauenburgische Regesten und Urkunden 3 Nr. 532

Leider wird dieser "Krummesser See" nur ein einziges Mal in der Urkunde von 1324 genannt. In den folgenden Verkaufsurkunden der Ritter von Crummesse wird aber ein "Beidendorfer See" jeweils zur Hälfte verkauft. Dieser Beidendorfer See mit der großen Fischerei, die "Wadentoge" genannt, wurde 1379 zur Hälfte von Marquard Crummesse an Segebodo Crispin († 1388) verkauft und 1382 verkauften die Brüder Eggert und Henneke Crummesse ihren Anteil am Beidendorfer See an die Brüder Gerhard und Herman Darsow. Vermutlich ist mit diesem See nicht der heutige Beidendorfer See (alias Klempauer Hofsee) gemeint.

Es handelte sich sehr wahrscheinlich um das heutige Krummesser Moor, einen ehemaligen See, der im Laufe der Zeit verlandete und 1324 offenbar noch als solcher vorhanden war. Auf der Karte des Krummesser Moores von 1770 ist das Moor als breites Oval in Nord-Süd-Richtung abgebildet und wird am nördlichen Ende durch einen Landsporn, genannt "Auf dem Hamm-Rade", geteilt, so dass man die Lage auch als Bogen/Krümmung um diesen Landsporn (Hammer) interpretieren könnte.

Zudem legt der oben genannte Begriff zur großen Fischerei "Wadentoge" – Wadenzieherei nahe, dass man hier mit einem Schleppnetz zu Fuß fischen konnte, also der See sehr flach war. Dies trifft aber nicht auf den relativ tiefen Klempauer Hofsee zu. Über diesen wird bei Schröder/Biernatzki 1855 noch gesagt, dass er nicht sehr fischreich sei. Doch ist ein Flachwassersee die Vorstufe zu einem verlandenden See (Stadien der Moorbildung: Flachwassersee – Verlandung – Niedermoor – Hochmoor).

Aber auch wenn man die Situation aus Sicht des "Krummesser Moores" betrachtet, bleibt kein anderer Schluss möglich. In den Verkaufsurkunden der Ritter von Crummesse werden diverse Moore aufgeführt. Dabei scheint das "Große Moor" bei Schenkenberg, das Bedeutendste zu sein. Auch dies wird jeweils zur Hälfte veräußert. Die übrigen genannten Moore scheinen nur kleinere Anhängsel an Flurstücke zu sein, bzw. wird zweimal von einem Teil des Moores in ihrem Gut Krummesse gesprochen. Aber kein einziges Mal wird ein "Großes Moor" beim Dorf oder Gut Krummesse oder ein Moor hinter Krummesse genannt, auch kein Moor zwischen Krummesse und Beidendorf. Es scheint unwahrscheinlich, dass so eine große Fläche, die selbst die Größe des Großen Schenkenberger Moores übertrifft, nur als "Moor in unserem Gute Krummesse" beschrieben würde. Fakt ist aber, dass das heutige Große Krummesser Moor jeweils zur Hälfte zwischen Lübeck und Lauenburg geteilt ist. So dass diese Teilung ein Relikt der Teilung des "Beidendorfer Sees" zu sein scheint.

 

Weder Moor noch See werden im 15. Jahrhundert genannt, so dass ein Übergang vom See zum Moor nicht dokumentierbar ist. 1581 besitzt der Pastor eine Wiese im Großen Moor, somit scheint der See Ende des 16. Jahrhunderts vergangen zu sein.

Aber nehmen wir einmal an, dass in den Urkunden von 1379 und 1382 mit dem Beidendorfer See tatsächlich der "Klempauer Hofsee" gemeint sein sollte. Wie ist dieser dann in den Besitz des Lübecker St. Johannisklosters gekommen? Darüber gibt es ebenfalls keinen Beleg. 1291 verkauft Herzog Albrecht II. eine Hälfte von Beidendorf an den Lübecker Werner Huno. Dieser Besitz geht dann schon 1293 in den Besitz des Lübecker Bürgers Gottfried von Cremun über, der dann 1300 wiederum seinen Besitz an das St. Johanniskloster verkauft. 1319 verkaufen die drei Brüder Gotmolt ihre Hälfte von Beidendorf ebenfalls an das St. Johanniskloster. Und 1321 bestätigt Herzog Erich I. dem St. Johanniskloster den ganzen Besitz. Nie ist in diesen Urkunden speziell die Rede von einem See. Der heutige Beidendorfer See (alias Klempauer Hofsee) wurde dann in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts von der Äbtissin des St. Johannisklosters an Macus Tode († 1551), Gutsbesitzer von Rondeshagen und Bliestorf verkauft (s. Vertragskopie von 1573 mit seinem Sohn Christoph Tode) und gelangt so nachfolgend wieder in herzöglichen Besitz und war dann Bestandteil des herzöglichen Amts/Vorwerks Klempau, daher der Name "Klempauer Hofsee".

(s.a. LAS Abt. 310 Nr. 228 RKG / Territorialrechtliche Auseinandersetzungen der Herzöge von Sachsen Lauenburg vor dem Reichskammergericht im 16. Jahrhundert, Jörg Hillmann, Frankfurt 1999, S. 351 ff)

 

Auch eine slavische Ortsnamensdeutung würde am Vorhandensein eines Sees östlich von Krummesse nichts ändern. Dann wäre es der See des Kromesa gewesen, wobei dann "See" gleich zweimal erklärt wäre.

Mehr zum Ortsnamen und auch zur möglichen slavischen Ortsnamensdeutung über den Personennamen "Kromeša" s. Die Ortsnamen des Kreises Herzogtum Lauenburg und der Stadt Lübeck, Antje Schmitz Neumünster 1990.

Im Krummesser Moor
Krummesser-Moor-1770.kl.jpg