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Jagd

oder Hunde in Krummesse – ein ewiges Thema

Die Teilung Krummesses brachte über die Jahrhunderte immer wieder kuriose Stilblüten hervor. Heute ist es die Hundesteuer – vor 500 Jahren war es beispielsweise die Jagdgerechtigkeit. Im Sommer 1588, es ist das Jahr in dem die Spanische Armada ihrem Untergang entgegensegelt, hat man in Krummesse ganz andere Probleme. Herzog Franz II. von Sachsen-Lauenburg, Herr über den Lauenburgischen Teil von Krummesse, hatte 1581 sein Amt angetreten und sich zum Ziel gesetzt, die Verhältnisse im Herzogtum wieder zu ordnen. Dazu gehörten klare Rechts- und Machtverhältnisse, was zwangsläufig zur Konfrontation mit der Hansestadt Lübeck führen musste. Denn als Landesherr hatte er auch theoretisch die Oberbotmäßigkeit über die lübschen Besitzungen in Lauenburg, also auch den Stitenschen Teil von Krummesse. Was man in Lübeck naturgemäß ganz anders sah. Offenbar war er kein großer Freund von Diplomatie und langen Verhandlungen. So hatte er ein Jahr zuvor in den Stitenschen Besitzungen widerrechlich Bäume fällen lassen. Bei dieser selbstherrlichen Aktion wurden sogar drei Knechte der von Siten, die das Ganze verhindern sollten, getötet worden. Anfang des Jahres 1588 starb dann auch noch der Krummesser Gutsherr Gottschalk (Goßlinck) von Stiten und hinterließ seine Witwe Margarethe ohne einen Erben, denn ihr gemeinsamer Sohn, Anton von Sitten, war bereits 1586 im Alter von nur 36 Jahren gestorben. Und dies alles sollte in den kommenden Jahren noch zu weit schlimmeren Streitigkeiten führen.

 

Aber wir bleiben im Sommer 1588. Das Jagdrecht war im allgemeinem dem Landesherrn vorbehalten. Das heißt im Krummesser Fall hatte für den Lauenburgischen Teil der Ratzeburger Amtmann Hans von Steinkeller die Aufsicht. Den Lübschen Teil der Witwe von Siten, ließ die Lübecker Kämmerei durch den städtischen Jägermeister bejagen. Dieser war u.a. für die Bekämpfung der Wölfe zuständig. Der Jägermeister besaß eine kleine Meute von Windhunden, die zur Treibjagd dienten. Dabei wurden beispielsweise die Hasen in aufgestellte Netze getrieben. Da sich das fliehende Wild für gewöhnlich nicht um politische Grenzen scherte, wurden diese durch Jagdhelfer besetzt, um einen Übertritt zu verhindern. Wie das im Krummesser Fall, bei der komplizierten Grenzziehung allesdings bewerkstelligt wurde, ist nicht überliefert, beziehungsweise läßt erahnen, dass hier ständig Konflikte vorprogrammiert waren. So auch im Juli 1588, als der Jägermeister mit seinen Windhunden durch die Krummesser Feldmark ritt, stand unverhofft ein Hase jenseits auf der Lauenburgischen Seite. Die Windhunde rannten sofort los und stellten den Hasen. Damit dieser nicht von den Hunden zerissen wurde, nahm der Jägermeister das erlegte Tier auf und nahm es mit zu sich nach Haus. Offenbar blieb dieser Fall nicht unbeobachtet und wurde an den Ratzeburger Amtmann berichtet, der sich sofort bei der Lübecker Kämmerei beschwerte und auf die Wahrung der Jagdgerechtigkeit pochte.

 

In den Augen des Lübecker Stadtschreibers, der den Fall zu den Aktem nahm, offenbar eine Lappalie. Denn er kommentierte die Notitz auf Latein mit einem Spruch von Horaz aus der Ars poetia: „Es kreißen die Berge, geboren wird eine lächerliche Maus.“

Schon 1545 hatte der alte Herzog Franz I. die Lübecker darauf aufmerksam gemacht, dass diese sich des Jagens in seinem Klempauer Amt, zu dem auch das lauenburgische Krummesse gehörte, enthalten sollten. Dabei ging es weniger um das erlegte Wildbret, sonder der Adel betrachtete das Jagen als sein ureigenstes Privileg, und besonders die Ausübung desselben von niederen wie Bauern und Bürgern als im wahrsten Sinne des Wortes als  "unanständige" Anmaßung.

1591 ließ Herzog Franz lübschen Grönauer Untertanen ihr Korn niedertrampeln, weil sie wohl auf lauenburger Gebit gejagd hatten. Daraufhin rächten sich die Lübecker 1592 mit 36 Pferden und mehreren Wagen und ließen Korn in den herzoglichen Gütern niedertrampeln.

Am 17. September 1634 ereignete sich ein ähnlicher Fall. So mußte sich diesmal der Lauenburgische Herzog August bei der Stadt Lübeck über den Jäger Franz Kracke beschweren. Dieser hatte auf der zu Lauenburg gehörigen Waterfahr einen Hasen gehetzt, gefangen und an seinen Sattel gebunden und trotz Ermahnung des Lauenburgischen Bauernvogten (Franz Boysen) einfach mit sich davongenommen (s. AHL ASA Int. Nr. 19851 u. LASH Abt. 210 Nr. 550). Die Absurdität der Grenze zeigt sich auch, wenn man bedenkt, dass Franz Kracke der Sohn eines gleichnamigen Lauenburgischen Bauern war und sein Großvater noch als Diener des alten Herzogs Franz I. mit einer Hofstelle in Lauenburg belohnt wurde.

1752 wurden der Brömbsensche Förster und sein Jäger Jöhrens auf Lauenburgischem Gebiet beim Wildbretjagen erwischt. Die beiden mußten den Rückweg auf Lübschen Territorium ohne ihre Flinten antreten.

Lübsche Verordnung: Nach welchen Bedingungen in Krummesse (Crummesser Höltzung) Eichen zu fällen sind (27. September 1760).

Förster und Jäger soweit bisher bekannt:

Kracke, Franz *?, † ?

Jäger 1638

Jöhren, X *?, † ?

Jäger 1752

Reisinger, Jac. *?, † ?

s.a Reisching
Jäger auf dem Krummesser Hof 1762

Sievers, NN. *?, † ?
Jäger auf dem Krummesser Hof 17--

 

Greve, Hinr. Xian *?, † ?
Oberförster
∞ Kr. 1772 Bohnsack, Dor. Lucia
K.:    ?

Voss, X. *?, † ?
Krummesser Hof Förster Kronsforde 1780
∞ ? NN, x
K.:    ?

Stockmann, Math. Franz Geo. *?, † ?
Förster vom Krummesser Hof -1811, dann wieder ab 1813, noch 1825

 

Weidemann, Joh. *?, † ?
Jäger auf dem Krummesser Hof 1812
∞ ? Grimm, Elis. aus Meckl.
K.:    Franz Xian Herm.    *Kr. 1812

Herzog Fanz II. von Sachsen-Lauenburg