© 2019 by Guido Weinberger, Lübeck

Von Rittern und Bürgern

Im Schatten der Hansestadt

Erste Teilung Krummesses 1305


In fast allen Chroniken Krummesses werden die Verkäufe der Ritter von Crummesse als Ursache für die heutige Teilung des Dorfes angegeben. Doch ist dies nur die halbe Wahrheit. Denn die erste Teilung erfuhr Krummesse bereits 1305. Unter den Söhnen des Herzog Johann I. von Sachsen-Lauenburg († 1285) war es in diesem Jahr zu einer sogenannten Realteilung des Herzogtums in drei Teile gekommen. Die mit dem Tod Herzog Albrechts III. im Jahr 1308 zu den Teilherzogtümern Bergedorf-Mölln und Ratzeburg-Lauenburg führten. Das hatte zur Folge, dass alles östlich der Stecknitz, also das Dorf zum Herzogtum Ratzeburg-Lauenburg und alles westlich davon, der Hof,  zum Herzogtum Bergedorf-Mölln (Möllner Vogtei) gelangte. Dies wiederum hatte auch Auswirkungen auf die Lehnspflicht der Krummesser Ritter auf der Burg. Sie waren nun der Herzogslinie Mölln-Bergedorf, also Herzog Erich I. (* vor 1285; † 1360) verpflichtet.  1359 verpfändete dieser die Stadt und Vogtei Mölln an die Stadt Lübeck. So muss der dort ansässige Adel, darunter nun auch Hartwig (I) und Eggerd (I) von Krummesse, der neuen Lehnsherrin gegenüber am 1.11. 1359 Treue und Gehorsam schwören. Nun sahen sich die Ritter von Krummesse de facto als Lehnsmänner von Bürgern, was man sicher als schmachvoll und ehrlos empfand und den Verkauf ihrer Güter 1373/1379 durch Marquard und 1382/1397 durch die Brüder Eccard und Henneke erleichtete.

 

Mit dem Bau des Stecknitzkanals von 1392 bis 1398 war die hier wohl vormals vorhandene Furt unbrauchbar geworden. Die Burg, vormals Zentrum eines großen Besitzkomplexes und die zur Sicherung des Stecknitzüberganges diente, war nun umgeben von Ländereien, die Lübecker Kaufleuten gehörten, und bildete quasi eine Enklave umgeben von lübschem Territorium. Sie hatte ihre Bedeutung verloren und verödete. So verkaufte der Knappe Heinrich von Crummesse am 6. Februar 1408 einen "Horst", der Borchwall genannt, im Kirchspiel Krummesse an Hans Darzow (weiter s. Gut).

s.a. Lauenburgische Heimat 1934: Lübeck und Lauenburg im 14. Jahrhundert. Von Albert Düker.

Aus den Lübecker Neubürgerlisten 1317 - 1356

Nachfolgende Personen mit dem Nachnamen/Herkunftsnamen "Crummesse" stammen vermutlich aus Krummesse und zeigen die starke Zuwanderung aus den ländlichen Gebieten.


1317*    235    Jacob Crummesse c.
1318    51    Tidemann Crumesse f.
1321*    51    Bernardus Crummesse c.
1323*    118    Johann Godetiit de Crummesse c.
1326    23    Hinricus de Crummesse frater eius f.  sein Bruder Euerhardus de Raceborch c.
1326*    34    Hinricus de Crummesse c.
1327*    64    Teybe de Crummesse c.
1330    69    Hinricus de Crummesse f.
1330*    83    Johannes de Crummesse c.
1330    83    Hinricus de Crummesse f.
1330*    102    Hinricus de Crummesse linifex c.  Leinweber
1331    15    Hinricus Crummesse f.
1331*    167    Lambertus de Cromesse c.
1332*    109    Nicholaus de Crummesse c.
1335*    127    Marquardus Crummesse c.   
1335*    166    Thidemannus de Crumesse c.
1336*    89    Albertus de Crummesse c.
1339    76    Bernardus Crummesse f.
1341*    27    Hinricus Crumesse c.
1341*    79    Ludeke Crumesse c.
1347*    120    Hinricus Crummesse c.
1348*    21    Conradus de Crummesse c.
1351*    322    Hermannus Crummesse c.
1351    322    Hinricus Crummesse f. s.a. Testament Nr. 765
1352*    19    Reyneke Krummesse c.
1352    235    Hinricus Krummesse kannengheter f. Testament Nr. 922 ∞ Taleke

Zwischen 1317 und 1356 werden 13 Krummesser als Lübecker Neubürger* angenommen. Sieben, wohl ehemalige Krummesser, werden als Zeugen für Neubürger genannt. Bei allen Personen handelt es sich nicht um Angehörige des Rittergeschlechts von Crummesse. "De" = von bezieht sich auf die Herkunft der Personen. Von einer Person erfahren wir auch ihren Beruf. So ist Hinrich der Neubürger 1330 ein Leinenweber. Der 1352 als Zeuge genannte Kannengießer (Zinngießer) Hinrich hat sein Handwerk in Lübeck gelernt. Von ihm erfahren wir aus einem Testament des Bgmst. Nicolaus Schoneke von 1362, das er mit Taleke verheiratet war. Er ist vermutlich auch identisch mit dem 1351 genannten Zeugen und einem Testamentzeugen von 1359. Der 1326 genannte Hinrich ist Zeuge für seinen aus Ratzeburg stammenden Bruder Eberhard. Auffällig ist die Häufigkit des Namens Hinrich. Diese Beliebtheit des Namens mag tatsächlich auf Vertreter der Ritterfamilie von Crummesse zurückgehen.

Regesten der Lübecke Bürgertestamente des Mittelalters Bd. I 1278-1350

326    aus dem Erbe der Elisabeth Spyker Nr. 7 Eine Decke aus Tuch der Telseke, Magd des Kromesse
247    Johan Crummesse 24. Aug. 1346 Z: Hinrik van Alen Rm; Johan Molenstrate Rm.
    P: Hinrick Crummesse, patruus d. Erblassers; Albert van der Lippe, gener d. Erblassers
1. Seine Mutter, domina Gertrud, soll mit seiner Ehefrau und seinem Sohn zusammenwohnen und das Notwendige an Speise und Kleidung erhalten, solange sie lebt. Will sie nicht mit den Genannten zusammenleben, so soll sie auf jeden Fall aus seinen Mitteln auf Lebzeiten ihren Unterhalt an Speise und Kleidung erhalten. – 2. Seiner Schwester Gese und ihrem Sohn Hennekin je 10 m.d., seinem Bruder Mako 5 m.d., seiner Schwester Grete 2 m.d. - 3. Der Taleke, Tochter des Hinrik Crummesse, 6 m.d. – 4. Dem dom. Ditmar Crummesse 1 m.d. – 5. Dem Hinsekin, Sohn des Hinrik Crummesse, 2m.d. ; der Nonne Mechthild in Rostock, Tochter des Hinrik Crummesse, 1 m.d. – 6. Dem dom. Hinrik Grapengeter 1 m.d. – 7. Der Marienkirche, dem heiligen Geist, der Katharinenkirche und der Petrikirche je 1 m.d. – 8. Den Leprosenzu St. Jürgen am Weg soll ein jahr lang monatlich eine halbe Tonne Bier zugunsten seines Seelenheils gegeben werden. – 9. Sogleich nach seinem Tode sollen aus den vorhandenen Barmitteln 5 m.d. genommen werden , mit denen während der ersten beiden Tage 100 Seelenmessen für ihn begangen werden sollen.  Von diesen 5 m.d. sollen [die Geistlichen] dom. Woldemar, dom. Thimmo am Heiligen Geist, dom. Jacob an St. Petri und dom. Martin an St. Jacobi je 4 ß erhalten. Was dann noch von den 5 m.d. übrig bleibt, soll an die Armen zugunsten seines Seelenheils gegeben werden. – 10. Die Provisoren sollen von den Barmitteln 10 m.d. einem zuverlässigen Mann geben, damit dieser im nächsten Jubeljahr eine Wallfahrt (reysa) nach Rom unternimmt. – 11. Von allen übrigen Gut (mobilia et immobilia) soll ein Drittel seine Ehefrau Alheyd, zwei Drittel sein Sohn Conekin erhalten; dieser ferner alles silberne Geschmeide mit Ausnahme seines silbergefaßten Glases (vitrum argentum), das seinem Stiefsohn (privignus) Matheus zufallen soo. – Widerrufsvorbehalt.

Anhang 14    .    Vor 22. März 1293 Testament des Marquard van Lubbetse, Filzmacher
Hinweis: Oberstadtbuch I 189,5 (1293, Palmarum): Eler van Crummesse kauft von Witwe, Kindern und Testamentarien des Filzmachers Marquard van Lubbetse ein Haus.


23    16. Mai 1305 Testament des Johan Godescop: 10. Dem Hinrik van Crummesse 4 m.d.

146    24. Juni 1336 P: Hinrik Crummesse
151    11. September 1336 P: Hinrik Crummesse

Das Lübecker Niederstadtbuch (1363-1399): Edition und Kommentar
Soltman, Gerhard, in Krummesse 963,5; 963,6; 994,4
Markest, Hinrich, rector ecclesie in Krummesse 335,1

1361: hertoge Erik van Sassen de schal sine daghe wissenen to Krummesse mit den van Lubeck van der stede weghene uppe den suluen dach unser lewen vrowen;

Urkundliche Geschichte des Ursprunges der deutschen Hanse: 2 von Georg Sartorius, S. 561

Mittelalterliche Wüstungsperiode

 

Das Ratzeburger Zehntregister gibt 1230 für das Kirchspiel Krummesse noch einen Ort Stockelsdorf an, der nicht mit dem Stockelsdorf im Kirchspiel Rensefeld bei Bad Schwartau gleich gesetzt werden kann. Dieses Dorf verortet Laur bei Krummesse oder Niemark. Mitte des 14. Jahrhunderts beginnt eine Klimaverschlechterung in Mitteleuropa. Die Folgen sind Hungersnöte und Ausbreitungen von Seuchen. So hier z.B. der Pest 1350. In Lübeck starb vermutlich ein Viertel der Bevölkerung. Da o.g. Stockelsdorf nur im Zehntregister genannt wird, scheint es alsbald untergegangen zu sein. Welche Auswirkungen das Ganze auf Krummesse hatte, muss mangels Quellen offen bleiben.

Quellen: Die Politik Lübecks zur Sicherung der Handelswege durch Lauenburg im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert von Friedrich Bertheau in Zeitschrift des Vereins für Lübeckiche Geschichte und Altertumskunde Band XV. Lübeck 1913 (Seite 41 ff). > https://vlga.de/de/zeitschrift

Was sonst noch so geschah:

Hier wurde im Jahre 1342 oder kurz zuvor ein Wagenzug beraubt und dabei Lübecker Bürgern und Gästen für 500 Mark Güter abgenommen.

Am 16. Juni 1416 reist der Lübecker "Alte Rat" früh morgens von Krummesse ab, um wieder in Lübeck empfangen zu werden.

Berhard Darsow, Hermanns Bruder, Erbherr auf Crummesse, Ahrensfelde und Grinau durch seine Ehefrau Anna Carbow, 1460 Ratsherr, gestorben am 2. Ostertag 1479